So helfen wir der Wechselkröte auf die Sprünge
Im Rahmen des Projekts vielfaltleben sichert der NATURSCHUTZBUND Burgenland das Überleben der bedrohten Wechselkröte. Dabei gab es viele strahlende Kindergesichter in den „Amphibien-Schulstunden“, sowie einen engagierten Rettungseinsatz in letzter Minute.
Der NATURSCHUTZBUND Burgenland setzte auch heuer wieder einen Schwerpunkt auf die Öffentlichkeitsarbeit mit Schulklassen. In der Volksschule „Am Tabor“ in Neusiedl am See wurden für alle zehn Klassen – insgesamt über 200 SchülerInnen – Unterrichtsstunden zum Thema Amphibien gestaltet.Die Kinder waren mit großer Begeisterung bei der Sache. Sie lernten, dass Kröten, Frösche und Molche weder bedrohlich noch eklig sind, sondern spannende und durchaus liebenswerte, sympatische Tiere sind. Die außergewöhnliche Biologie faszinierte die Schüler; und die Tatsache, dass alle Amphibienarten vom Aussterben bedroht sind und dringend geschützt werden müssen, rüttelte die Kinder auf und regte sie an, eigenständig Ideen und Lösungen zu überlegen. Allen voran stand die Wechselkröte im Mittelpunkt, die den Schülern als besonderes Naturjuwel ihrer Heimat vorgestellt wurde. Auch anfängliche Berührungsängste wurden schnell abgebaut. So verkündete ein kleiner Junge stolz bei der Verabschiedung: „Danke! Nun muss ich keine Angst mehr vor Kröten haben.“ – ein schönes Lob und eine Hoffnung für die Zukunft…
Die Wechselkröte – eine ausgesprochene Pionierart – bevorzugt zum Ablaichen möglichst flache, temporäre Gewässer ohne viel Vegetation. Wo finden sich jedoch solche „Lacken“ in unserer modernen Kulturlandschaft, in der doch vernässte Stellen und Senken allerorts drainagiert werden? Die Antwort lautet leider oft: Nur noch auf Baustellen! Denn dort gibt es zahlreiche Gruben, in denen sich Wasser sammeln kann. So kann man immer wieder Wechselkröten antreffen, die diese Baugruben als Ersatzgewässer annehmen und darin ablaichen. Wird jedoch der Baubetrieb wieder aufgenommen, haben Laich und Larven keine Chance sich zu entwickeln. Der NATURSCHUTZBUND Burgenland konnte im Frühjahr 2010 dank einer aufmerksamen Bauherrin tausende Wechselkrötenquappen aus einer solchen Baustelle in der Nähe von Zurndorf retten. Da man die Tiere keinesfalls über weite Strecken umsiedeln sollte war es ein Glücksfall, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein geeignetes Biotop befand, wohin die Kaulquappen gebracht werden konnten. Angesichts ihres hohen Gefährdungsgrades ist bereits jedes einzelne gerettete Tier für die Art ein Gewinn. Darüberhinaus führte diese Aktion jedoch zu einem weiteren wichtigen Schritt: Die Eigentümerin ist bereit, einen Teil ihres Grundstücks auch in Zukunft den Wechselkröten zur Verfügung zu stellen und ein entsprechendes Gewässer ist bereits in Planung. Der NATURSCHUTZBUND Burgenland steht ihr dabei selbstverständlich gerne mit Rat und Tat zur Seite.
2009 wurde durch den NATURSCHUTZBUND Burgenland im Rahmen von vielfaltleben und in Kooperation mit der Esterhazy Betriebe GmbH bei Schützen am Gebirge ein verlandeter Teich wieder hergestellt. Im Frühjahr 2010 konnten am Ufer dieses neuen rund 300m² Gewässers bereits die ersten Bewohner begrüßt werden. Unter den zahlreich eingetroffenen Wasserinsekten war vor allem die große Vielfalt an Libellen auffällig. Besonders erfreulich ist natürlich, dass auch die Amphibien den Teich für sich entdeckt haben. Juvenile Springfrösche und Erdkröten, die in großer Zahl die Ufer bevölkerten, zeugen bereits von ersten Fortpflanzungserfolgen. Hoffentlich wird sich dieser auch bald für die seltene Wechselkröte einstellen.
10.12.2010, vielfaltleben Administratoren


