Umweltminister Niki Berlakovich zeichnet vielfaltleben-Gemeinde-Champion aus
Presseinformation 25.11.2010
Wie vielfältig das Engagement von Gemeinden, Vereinen und Einzelpersonen in Österreich ist, zeigen die Einreichungen beim vielfaltleben-Gemeindewettbewerb. Nun wurden die 4 Sieger ausgezeichnet.
(Wien/ 25.11.2010) Auf Initiative des Lebensministeriums wurden im Rahmen der größten Artenschutzkampagne Österreichs alle Gemeinden aufgerufen, Projekte einzureichen und ihr Engagement für den Schutz der biologischen Vielfalt vorzustellen. „In Österreich sind 4.000 Arten vom Aussterben bedroht. Wir alle müssen etwas tun, um die biologische Vielfalt für unsere Lebensqualität und unser Überleben zu sichern. Gemeinden als starke Partner vor Ort hatten eine zentrale Rolle bei unseren Kampagnen-Aktivitäten zum Schutz unserer Natur- und Artenvielfalt. Sie haben mit ihren kreativen und innovativen Projekten dazu beigetragen, die Artenvielfalt in Österreich zu erhalten und die in ihrer Region heimischen Tiere und Pflanzen zu schützen“, so Umweltminister Niki Berlakovich über den Wettbewerb.
vielfaltleben-Champion: Bürmoos (5.000,-)
Torferneuerungsprojekt mit 43.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden im Moor
Um den letzten Rest des einst 420 ha großen Hochmoores von Bürmoos leisten seit 1985 engagierte Bürger/innen pro Jahr etwa 3.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden für ihr Moor – in Summe 43.240 dokumentierte Stunden! Unter dem Patronat der Gemeinde wurde der „Torferneuerungsverein Bürmoos“ gegründet, dem heute 564 Mitglieder, vom Schüler bis zum Pensionisten, angehören.
Die Gemeinde Bürmoos nördlich der Landeshauptstadt Salzburg liegt an der Grenze zu Oberösterreich und Bayern. Der Ort wurde 1860 als Industrieansiedlung zur Gewinnung von Torfprodukten, Tafelglas und Ziegel mitten im Moor gegründet. Von Torfstechern wurde jährlich bis zu 100.000 m³ Torf abgebaut, später im Frästorfverfahren weite Teile des „Bürmooses“ restlos zerstört. Im Jahr 1985 fanden sich etwa 40 Aktivisten, die den trostlosen Anblick, den die Abbauflächen boten, nicht mehr ertragen konnten. Sie kämpften gegen Bodenerosion, Staubverfrachtung, Tier- und Pflanzensterben und führten die abgetorften Flächen wieder in einen naturnahen Zustand zurück. Die Gemeinde Bürmoos gab ein Renaturierungskonzept in Auftrag und forcierte die Wiedervernässung des Gebietes. Erst im Jahr 2000 wurde der Torfabbau zur Gänze eingestellt. Die Natur hat den „Lebensraum aus zweiter Hand“ dankend angenommen. Die geschaffenen Flächen zeigen eine beachtliche Artenvielfalt: 100 verschiedene Vogelarten, bedeutsame Amphibienlebensräume und 26 gefährdete Pflanzenarten konnten bereits nachgewiesen werden. Die gesamte Gemeinde ist stolz auf diese Gemeinschaftsleistung. Der „Torfkurier“ informiert die Bevölkerung regelmäßig über die Fortschritte und auch Besuchern von außerhalb wird mit Schautafeln und Lehrpfaden die Bedeutung des wieder gewonnenen Moores verdeutlicht. Eine Leistung, die seit mittlerweile 25 Jahren kontinuierlich erbracht wird und die von der Jury mit dem Titel „vielfaltleben-Champion“ ausgezeichnet wurde!
Ausgezeichnete vielfaltleben-Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und Mäder (1.000,-)
Gemeinschaftsprojekt „NaturErLeben amKumma“
Die vier Gemeinden im Vorarlberger Rheintal mit gemeinsam etwa 24.000 Einwohnern gründeten 2005 den Verein „amKumma“, um miteinander gemeindeübergreifende Themen zu bearbeiten. Naturschutz wurde als Themenbereich in den Mittelpunkt der interkommunalen Zusammenarbeit gerückt. Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung stellt die wichtigste Basis für alle Naturschutzmaßnahmen in der Region dar. Im Besonderen für das geplante Artenvielfaltsprojekt „Orsanken Moos, Streuwiese Mösle“, bei dem es um die Erhaltung eines Moores und eines Streuwiesenkomplexes geht.
2010 fand dazu im Juni die Veranstaltungswoche „NaturErLeben amKumma“ statt. Familienwanderungen rund um den Kumma luden ein, die Naturschätze der Region zu entdecken. Kursleiter zeigten auch, wie bei kleinen Wanderungen Kinder mit und durch ihre Eltern die Natur erleben können. Beim „Artenbestimmen im Forschercamp“ entdeckten etwa 300 Schüler der Kummenbergregion Pflanzenarten und Wiesentypen. Sie beschäftigten sich mit der biologischen Vielfalt der Region, dem hohen Stellenwert einer intakten Natur und den Zusammenhängen zwischen Lebensräumen und vorkommenden Arten. Das „Umwelt-Kino“ zeigte mit dem Film „Home“ die Schönheit unseres Heimatplaneten und dass es Zeit ist, sich für ihn einzusetzen.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit der vier Gemeinden gefiel der Jury besonders und sie zeichnete diese Kooperative mit einem Preis aus.
Ausgezeichnete vielfaltleben-Gemeinde Kirchheim/Innkreis (1.000,-)
Umfangreich aktiv!
Die Gemeinde liegt im oberösterreichischen Innviertel, nordwestlich von Ried. Was in den 1990er Jahren mit Hecken- und Baumpflanzungen begann, wurde über die Jahre in Leitsätze und Ziele gegossen: Ein Ortsentwicklungskonzept wurde erstellt und eine Grünraumerhebung durchgeführt. Meilensteine für die 700-Seelen-Gemeinde sind die Renaturierung der stark verbauten Waldzeller Ache und ein umweltverträglicher Hochwasserschutz. Neue Projekte werden mit aktiver Beteiligung der Bürger/innen entwickelt und vorangetrieben. Auch auf die Jüngsten wird nicht vergessen, wie ein „Naturforschungskoffer“, die Gestaltung des Schulgartens und das Projekt „gesunde Schuljause“ zeigen. Die länderübergreifenden „Streuobsttage“ und die Ernennung zum „Kulturdorf Europas 2010“ machten Kirchheim überregional bekannt. Ein beachtlicher Erfolg, fand auch die Jury, und zeichnete die thematisch sehr umfangreich aktive Gemeinde mit einem Preis aus.
Ausgezeichnete vielfaltleben-Gemeinde Tattendorf (1.000,-)
Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Gemeindegebiet
Die kleine niederösterreichische Gemeinde im Bezirk Baden beteiligte sich am Wettbewerb mit einem unfassenden Konzept zum Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Gemeindegebiet. Das Projekt beschreibt die gelebte Einstellung der Gemeindebürger/innen zum Arten-, Natur- und Umweltschutz und beinhaltet somit einen gesamtheitlichen Ansatz, der auch bereits umgesetzt wird. Akribisch hat man in der Gemeinde das Arteninventar erhoben, Besonderheiten gesichtet und gesammelt. Die Umsetzung von Schutzmaßnahmen erfolgte unter anderem durch die Errichtung von „Nützlingshotels“, Feuchtbiotopen, Eidechsenplätzen oder auch durch die Auspflanzung der Osterluzei-Pflanze, die dem gleichnamigen Falter (einer vielfaltleben-Leitart) als Nahrung dient.
Die Einbindung der Bevölkerung und die Verankerung der vielfaltleben-Idee erfolgt in Tattendorf auf allen Ebenen: Alt und Jung können die Gegenwart umweltgerecht und lebenswert gestalten und die Weichen für die Erhaltung einer nachhaltigen Lebensqualität stellen.
Der Jury wurde gezeigt, dass der Einsatz für die Natur mit sehr viel Spaß und Freude und auch in kleinen Gemeinden sehr umfassend betrieben werden kann.
03.12.2010, vielfaltleben Administratoren


