Lebensraum Donau im Wandel der Zeit
Presseinformation 29. Oktober 2010
Wien/Ardagger: Fischer- und Vogelschützer ziehen an einem Strang, wenn es um die Erhaltung der wichtigsten Lebensräume Österreichs geht.
„Fische wie auch Vögel sind aufgrund ihrer ausgedehnten Habitatsansprüche ausgezeichnete Indikatoren für eine intakte Umwelt, damit aber auch anfällig auf veränderten Lebensraum, bringt Gerald Pfiffinger von BirdLife Österreich die Gemeinsamkeiten von Fisch- und Vogelschützern auf den Punkt. Längst gelten die Langstreckenwanderer unter den Donaufischen als ausgestorben. Vor der Errichtung der Donau-Staustufen in Rumänien zogen große Stör-Arten wie beispielsweise der bis zu sieben Meter lange Hausen vom Schwarzen Meer flussaufwärts zu ihren Laichplätzen bis in den Wiener Raum und weiter bis ins Machland. Auch an Kiesbänke gebundene Vögel wie der Triel gibt es an heimischen Flüssen nicht mehr. Andere Arten wiederum profitieren von den Veränderungen und erobern auch heute noch Lebensräume neu. Der Storch beispielsweise fühlt sich seit Jahren speziell in Ardagger wieder heimisch. Auch die Bestände des zierlichen Weißsternigen Blaukehlchens sind erfreulich gestiegen.
Gemeinsam Lebensraum erhalten: Bundesfischereiverband ist neuer vielfaltleben-Partner
„Wenngleich an eine Rückkehr zur Dynamik des 18. Jahrhunderts leider nicht mehr zu denken ist, kann uns das Bild der Donau von damals bei Renaturierungs-Vorhaben als wertvolles Leitbild dienen“, ist der Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Fischereiverbandes DI Manuel Hinterhofer überzeugt. Im Rahmen der Kampagne des Lebensministeriums vielfaltleben konnte der Österreichische Fischereiverband für das vielfaltleben-Netzwerk gewonnen werden. „Zu tun gibt es genug“, freuen sich BirdLife, WWF und Naturschutzbund über den starken Partner. Um alte Sünden der Vergangenheit zumindest teilweise zu kompensieren, will man Flüssen wieder mehr Raum geben: Uferverbauungen sollen zurückgenommen, Altarme wieder angebunden werden. Auch Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf setzt auf Renaturierung: „Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist in Niederösterreich voll im Gange, aktuell zum Beispiel laufen mehrere Naturschutzprojekte an der Donau. Fisch- und Vogelarten profitieren davon gleichermaßen.“
Schütter bewachsene Schotterbänke prägten die Flusslandschaft
Die Flusslandschaft im Machland vor über 100 Jahren entsprach nicht naturromantischen Vorstellungen vonausgedehnten Auwäldern mit sagenhaften Baumriesen und Sümpfen soweit das Auge reichte. Bis auf wenige Flächen hat es diese Traum-Landschaft eines natürlichen Flusses im Machland nicht gegeben. Im Gegenteil: Nach Aussage des Hydrobiologen Dr. Severin Hohensinner von der Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement, handelte es sich vielmehr um eine „sehr junge, extrem dynamische Flusslandschaft, geprägt durch eine entsprechend kurze Dauer des Habitat - Lebenskreislaufs“. Dieser rasante Wechsel von Überschwemmungen und Trockenheit führte dazu, dass die Auenvegetation entlang der Donau fast ausschließlich von Buschwerk und spärlichen Weidenbaumgruppen dominiert war. Zwischen den Haupt- und Nebenströmen der Donau riesige kaum bewachsene Schotterbänke und dichte, junge Pionierweidenstandorte - so etwa kann man sich die Landschaft von damals vorstellen.
Störarten und Triel nicht mehr da
Der Hausen steht symbolhaft für all jene Fischarten, die aus dem Schwarzen Meer in die Donau wandernd, diese dynamische Flusslandschaft und die ausgedehnten Schotterbänke alljährlich als Laichplatz nutzten. Verschiedene Störarten wie Glattdick, Waxdick, Hausen und Sternhausen zogen zur Laichzeit weit die Donau stromaufwärts – ein vergleichbares Schauspiel wie der allseits bekannte Zug der Lachse in Kanadas Flüssen. An Vogelarten sind in der Donau von damals Arten wie Triel, Flussseeschwalbe, Zwergseeschwalbe, Lachseeschwalbe und Flussregenpfeifer dokumentiert. Sie besiedelten die ausgedehnten Schotterbänke, die es in vergleichbarer Dimension heute nirgends mehr in Österreich gibt.
Ohne Wasserdynamik keine Schotterbänke
Groß angelegte Regulierungsmaßnahmen wie Laufverkürzungen und Uferbefestigungen an der Donau brachten für die Dynamik ein jähes Ende. Durch natürliche Sukzession sind vorhandene Schotterflächen mit Weidenaufwuchs zugewachsen, neue Kiesbänke können mangels der erforderlichen Dynamik nicht mehr entstehen. Damit einhergehend verschwanden zahlreiche Fischarten und die für Kiesbänke typischen Vogelarten wie Triel oder Flussseeschwalbe. Flussregenpfeifer und Triel werden heute in stillgelegte Kiesgruben verdrängt, während die Flussseeschwalbe auch künstliche Floße zum Brüten annimmt.
Storch und Weißsterniges Blaukehlchen brüten wieder
„Trotz herber Verluste in der Vergangenheit gibt es doch auch erfreuliche Zuwächse beim Storch und überraschend die positive Bestandssituation des Weißsternigen Blaukehlchens, beschreibt Bürgermeister von Ardagger, Hannes Pressl die aktuelle Artenvielfalt der Ardagger Schotterbänke.
Das Weißsternige Blaukehlchen kann als eines der letzten Symbole für die Dynamik an der Flusslandschaft gelten. Sein Lebensraum sind die von Buschwerk geprägten und mäßig bewachsenen Ufer entlang von Gewässern. Warum dieser prächtig gefärbte Singvogel gerade das Machland in solchen Dichten nutzt, ist nicht genau bekannt. Die Important Bird Area „Machland“ gilt mit etwa 40 Revieren als eines der wichtigsten Brutgebiete dieser Art in Österreich.
Tip: Ausstellungsbesuch „Donau Segen und Fluch“
Die Ausstellung „Donau Segen und Fluch“ in Ardagger Markt, mit schon weit über 35.000 Besuchern, widmet sich dem umfassenden Thema Donau im Wandel der Zeit auch hinsichtlich der bis heute noch von immer wiederkehrenden Hochwassern betroffenen Bevölkerung. Dieser Tage besteht die letzte Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen: noch bis 7. November!
(www.donau-ausstellung.at)
Rückfragehinweis:
Mag. Bettina Klöpzig, Birdlife Österreich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mobil: +43 (0) 699 181 555 65
bettina.kloepzig@birdlife.at
www.birdlife.at
24.11.2010, vielfaltleben Administratoren


