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neuer Lebensraum
Foto: MG Guntramsdorf

Regionales Gstettenmanagement in Guntramsdorf

Im Jahre 2008 wurden seitens der Marktgemeinde Guntramsdorf und mit dem Büro LAND IN SICHT Gestaltungsideen gesammelt, um den Erddamm in der Industriestraße, welcher das Wohngebiet zum Industriegebiet hin schützt nachhaltig mit „Leben“ anzureichern und ein naturnahes Erscheinungsbild herzustellen.

Im Rahmen des Projektes Gstettnmanagement werden sogenannte „Schmetterlingszonen“ etabliert, die sich durch artenreiche Ruderalvegetation und Blütenreichtum auszeichnen. Der Damm an der Industriestraße konnte aus naturschutzfachlicher Sicht optimiert werden und zu einem Schmetterlingslebensraum aufgewertet werden.
 
Zuvor war der Damm mit einer aufgelockerten, uneinheitlichen Strauchbepflanzung mit Ziersträuchern begrünt. Der Blühaspekt war aufgrund der verwendeten Arten eher schwach ausgebildet. Lückige Gehölzgruppen waren von wenigen m² großen Wiesenflächen unterbrochen. Der Strauchbestand war vielfach so dicht, dass in den Zwischenräumen nur händisch gemäht werden konnte.
 

Realisierung
Gebüsche: Die Artenzusammensetzung der Gehölze orientiert sich an natürlich im Gebiet vorkommenden, trockenheitsverträglichen und pflegeleichten Feldgehölzen. Dabei wird besonders auf Blühaspekte zu unterschiedlichen Jahreszeiten Wert gelegt.
Offenflächen: Zuvor dominieren auf den nicht von Gebüschen bestandenen Dammflächen hochwüchsige, grasdominierte Pionierpflanzengesellschaften. Aufgrund des Anschüttungsmaterials (Auftrag von nährstoffreichem Ackerboden) konnten sich konkurrenzstarke, ausläufertreibende Arten etablieren, die für Blütenreichtum nur wenig Raum ließen. Nach dem Aussamen der Gräser vertrocknete der Bestand aufgrund der großen Sommertrockenheit in der Regel schneller.
Saatbettvorbereitung: Zur Verbesserung des Erscheinungsbildes und zur Verbesserung des naturschutzfachlichen Wertes wurde abschnittsweise die oberste, stark durchwurzelte Bodenschicht abgetragen. (Da Keimlinge und Jungpflanzen in der Regel zu schwach sind, um sich gegen bereits angewachsene Grasbestände durchzusetzen.) Danach konnte durch die Einsaat von Wildpflanzensaatgut eine vielfältigere Wildpflanzengemeinschaft etabliert werden.
Ausaatzeitpunkt: Dieser wurde mit Anfang Oktober gewählt. Der Boden war dann vegetationsfrei. (Bei Aussaat im Frühjahr kann es mitunter zu starker Konkurrenz durch rasch wachsende Arten kommen, die aus dem im Boden vorhandenen Samenvorrat keimen.)
Ausaatmenge: Aufgrund des qualitativ hochwertigen Saatgutes konnte die Begrünung mit einer geringen Einsaatmenge von 3 – 5g/m² erfolgen.

Grundsätzlich waren zwei Begrünungsvarianten möglich, die sich hinsichtlich der Artenzusammensetzung und hinsichtlich des Pflegeaufwandes unterscheiden. 
 
                             
jährlich gemähter Trockenrasen
Foto: MG Guntramsdorf
 
Variante 1 – jährlich gemähte Trockenwiese 
Vorteile:
 o Ansprechendes optisches Erscheinungsbild einer blütenreichen Blumenwiese
 o Hoher Artenreichtum
 o Etablierung eines gefährdeten Vegetationstyps ist langfristig möglich
 o Förderung unterschiedlicher Wieseninsekten
Nachteile:
 o Pflegeaufwand: 1x jährliche Mahd inklusive Abtransport des Mähguts ab Mitte Juni. (Der Abtransport des Mähguts bewirkt Nährstoffentzug aus dem Boden. Das begünstigt generell schwächer wüchsige, blütenreiche Wiesenpflanzen. Weiters verhindert er die Streuschichtbildung.)

 
 
blütenreicher Waldrand
Foto: MG Guntramsdorf
 
Variante 2 – Blütenreiche Waldrandvegetation 
Vorteile:
 o Geringer bis nicht vorhandener Pflegeaufwand, so dass kaum Kosten entstehen: gelegentlich kann abgestorbenes Pflanzenmaterial entfernt werden. Dies kann in mehrjährigen Intervallen geschehen.
 o Bei richtiger Artenwahl können sehr bunt blühende, artenreiche Bestände entstehen.
 o Viele Schmetterlingsnahrungspflanzen sind Waldrandpflanzen.
 o Abgestorbene Pflanzen (z.B. Samenstände, Stängel) dienen diversen Insekten als Überwinterungsplätze und fördern so die Artenvielfalt.
o Etablierung von seltenen Arten ist möglich (ähnliche Bestände gibt es an Wald-und Wiesenrändern des Eichkogels und der Perchtoldsdorfer Heide).
Nachteile:
 o Entwicklung des Pflanzenbestandes läuft weitgehend unbeeinflusst durch die Menschen.
 o Wuchshöhe über 1,5 m.
 o Sehr naturnahes Aussehen der Flächen.
 o Während des Winters ist viel abgestorbenes und vertrocknetes Pflanzenmaterial vorhanden, da Mahd für die Waldrandvegetation nicht nötig ist.  
 

Kontakt:
Marktgemeinde Guntramsdorf
Rathausplatz 1, 2353 Guntramsdorf 
Vizebürgermeister Robert Weber, MSc 
www.guntramsdorf.at

 

18.10.2010, vielfaltleben Administratoren