Wieviel Licht geht ins Blaue?
Presseaussendung 23.09.2010 - Wien: Messgerät auf Lebensministerium untersucht Lichter der Nacht. Die weltweit zunehmenden Lichtemission lässt natürliche Kulturgüter blass aussehen: nächtlicher Sternenglanz von Milchstraße und Sternschnuppen werden kaum noch gesehen.
Tausende Lichtquellen erhellen Nacht für Nacht Städte und Landschaften. Künstliches Licht auf Straßen, Bahnhöfen oder Gebäudebeleuchtung ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Die weltweit zunehmenden Lichtemission lässt aber auch natürliche Kulturgüter blass aussehen: nächtlicher Sternenglanz von Milchstrasse und Sternschnuppen werden kaum noch gesehen. Ein Lichtmessgerät auf dem Lebensministerium soll jetzt die Schattenseiten des städtischen Lichtermeers aufzeigen.Nicht nur im Jahr der Artenvielfalt betont der Umweltminister den sorgsamen Umgang mit Licht. „Ein wichtiges Anliegen ist mir gerade im öffentlichen Raum auf energieeffiziente und umweltverträgliche Beleuchtung zu achten. Mensch, Natur, Astronomie und insbesondere das Klima wird von zu viel Beleuchtung negativ beeinflusst, so Niki Berlakovich anlässlich der Installation des ersten Lichtmessgerätes auf dem Dach des Lebensministeriums.Im Rahmen der Kampagne vielfaltleben des Lebensministeriums ist es BirdLife Österreich damit gelungen, dass erstmalig Daten der Lichtmessungen aus der Wiener Innenstadt regelmäßig und automatisch in internationale Vergleichszahlen einfließen.
Lichtmessung im internationalen Vergleich
„Seit 2010 sind weltweit 135 Lichtmessgeräte im Umlauf. Zurzeit beziehen wir von 16 Stationen regelmäßig Daten“, so Günther Wuchterl Leiter des Vereins Kuffner-Sternwarte und Wissenschaftler des deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR). Gemeinsam mit einem Kollegen hat er den Lightmeter Mark entwickelt und betreibt mit mehreren dieser Geräte das erste globale Nachtlicht-Messnetz zwischen Linz, Graz, Wien, Berlin Utrecht und Yonago in Japan. Allein der Datenvergleich innerhalb Wien zeigt, dass es nächtens dreimal heller über den Dächern rund um das Lebensministerium ist als über der Kuffnersternwarte im 16. Bezirk.
Kulturgut: absolute Dunkelheit versus Nachtskilauf
Entgegen anhaltender Trends zu Lichtintensiven Freizeitaktivitäten wie Nachtskilauf oder Golfen auf beleuchteten Plätzen, gibt es den Ruf nach dem immer selteneren Kulturgut: Sternenhimmel. International bemühen sich Astronomen den intakten Sternenhimmel in das UNESCO- Kulturerbeprogramm zu nehmen. Eine Analyse der Experten hat gezeigt, dass etwa 90% der sichtbaren Sterne in der Lichterflut ertrinken. Am österreichischen Himmel wären damit durchschnittlich nur mehr etwa 450 Sterne zu sehen. Außer in Großmugl: die Vorzeigegemeinde bemüht sich seit Jahren mit punktgenauem Straßenlicht und abdrehen der Kirchenbeleuchtung ab 22 Uhr um eine sternen- und energiefreundliche Sternlichtoase. „Weltweit könnte Österreich mit der noch einzigartigen intakten Nachtlandschaft in den Ostalpen besonders im Nationalpark-Tourismus eine Vorreiterrolle spielen“, so Gerald Pfiffinger von BirdLife Österreich.
Energieeffiziente Beleuchtung gefragt
Das Hauptproblem sind Leuchten, die viel Streulicht ungenutzt in den Himmel abgeben. Optimierte Lichtlenkung und die Verwendung von Leuchten mit geringer Oberflächentemperatur sind daher gefragt. Pfiffinger:„Ein Problem mit dem Licht in der Nacht haben vor allem nachtaktive Tiere wie zahlreiche Vögel, Insekten und Amphibien. Energieeffiziente Lampen mit einem möglichst geringen UV-Anteil haben so gesehen auch weniger Anlockwirkung auf die Insekten.“
„Licht aus“ nicht nur für den Menschen wichtig
Der Tag-Nacht Rhythmus prägt seit Millionen Jahren Mensch und Tier. Das Abschalten von Licht ermöglicht daher nicht nur gesünderen Schlaf für den Menschen, sondern gibt auch „lichtgefangene“ Tiere Gelegenheit zur Flucht. Millionen von Mücken und Nachtfalter werden mit ihren extrem lichtempfindlichen Augen wie magisch, von zumeist stark UV-haltigen Lichtfallen angezogen und verenden. Zugvögel verlieren ihren Orientierungssinn, da sie ihre Flugroute nachts nach den Sternen richten.
Rückfragehinweis:
Mag. Bettina Klöpzig, BirdLife Österreich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mobil: +43 (0) 699 181 555 65
bettina.kloepzig@birdlife.at
www.birdlife.at
29.10.2010, vielfaltleben Administratoren


