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Fassadenbegrünung
Foto: NATURSCHUTZBUND /P...

Ich tu etwas! – Häuser im Blätterpelz

Was kann jede Einzelne und jeder Einzelne von uns tun, um die Biologische Vielfalt zu fördern? An dieser Stelle finden Sie praktische Tipps, die Sie im Alltag leicht umsetzen können. Kleine Entscheidungen haben in Summe oft große Auswirkungen auf unseren Lebensraum und alle Tier- und Pflanzenarten. Helfen Sie mit!

Begrünte Fassaden
Die intensive Flächennutzung vor allem in Städten, lässt nur wenig Raum für Grünflächen und Bepflanzungen. Bezieht man aber Wände und Dächer mit ein, eröffnen sich plötzlich unverhoffte Möglichkeiten: Fassaden und Flachdächer besitzen ein riesiges Potential für lebendiges Grün. Kletterpflanzen und extensive Dachbegrünungen geben der Natur ein Stück des bebauten Bodens zurück. Sie verbessern das Stadtklima und bieten vielfältigen Lebensraum. Für das Haus wirkt die Begrünung wie eine schützende Decke, die im Winter isoliert und im Sommer kühlt.
Lebendige Mauern Weinlaubgeschmückte Klostermauern oder alte Höfe inmitten bunter Blütenpracht. Seit jeher umgeben Menschen ihre Häuser gern mit üppigem Grün. Manche Hauseigentümer haben aber Bedenken, dass die Fassaden durch „einwurzelnde“ Kletterpflanzen beschädigt werden. Putz und Mauerwerk werden jedoch von keiner der üblichen Kletterpflanzenarten unserer Breiten geschädigt. Selbstklimmer, wie z.B. der Efeu oder der Dreiblättrige Wilde Wein, wachsen nicht in Mauern ein, sondern halten sich mit Saugnäpfen, Haftscheiben, Klimmhaaren oder Haftwurzeln an der Fassade fest. Dabei nutzen sie kleinste Unebenheiten.
 
Lärm- und Hitzedämmung für Dach und Wand: Von Pflanzen geschützte Hauswände erwärmen sich im Sommer höchstens auf 30 Grad Celsius. Im Winter bleiben laubgeschützte Außenwände um durchschnittlich 5 Grad wärmer. Die maximalen Temperaturschwankungen bei grünen Dächern und Fassaden sind deshalb nur halb so groß.
 
Zur natürlichen Artenvielfalt im Siedlungsraum trägt die Fassadenbegrünung viel bei. Vögel kommen in die Städte zurück, weil sie im Blätterpelz Nistplätze und Nahrung finden. Blühende Kletterpflanzen, wie Waldrebe oder Wilder Wein, dienen Bienen als Nektarquelle. Raupen des Tagpfauenauges ernähren sich von Hopfen, jene des Weinschwärmers von Reben und die des Schwalbenschwanzes von Efeu. Spinnen, Ameisen und Tausendfüßler finden Unterschlupf – die Angst, sich „Ungeziefer“ ins Haus zu locken, ist unbegründet. Insekten und Spinnen fühlen sich im Freien ungleich wohler...
Zahlreiche Möglichkeiten bieten sich neben der klassischen Mauerbegrünung: So kann man Kletterpflanzen auch in Töpfen auf Terrasse oder Balkon ansiedeln, Zäune, Sichtschutzwände, Betonpfeiler und Gartenlauben begrünen. Sogar im öffentlichen Raum, etwa auf Gehsteigen, ist es möglich, eine Pflanzgrube für Kletterer anzulegen. Dabei sollten einheimische Kletterpflanzen verwendet werden, die wunderschön blühen und Wildtieren Nahrung bieten.
 
Wiese über dem Kopf
Grüne Dächer speichern bis zu 80 % Regenwasser und verdunsten es langsam wieder. Sie produzieren Sauerstoff, filtern verschmutzte Luft, absorbieren Strahlung und verbessern dadurch das Klima. Sie wirken temperaturausgleichend, dämpfen Lärm und schützen das Dach vor Witterungseinflüssen und mechanischem Verschleiß. Sie lohnen sich auch finanziell – besonders für Industrie- und Verwaltungsgebäude sowie Schulen, da sie die Klimaanlagen merklich entlasten.
Extensive Begrünung ist aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Sie eignet sich auch für Schrägdächer und zieht keine aufwändige Konstruktion und Pflege nach sich. Extensiv begrünte Dächer beherbergen Arten, die sich in der Natur auf Kies- und Sandbänken wohlfühlen, wie z.B. Fetthenne, Schafschwingel oder Karthäusernelke. Eine Ansaat ist nicht unbedingt nötig. Viele Arten stellen sich im Laufe der Zeit von selbst ein und verwandeln das Dach in eine spannende Beobachtungsfläche – sogar mitten in der Stadt.
Experten zu Rate ziehen. Bei der Installation von Klettergerüsten und der Anlage von Dachbegrünungen stellen sich im Vorfeld technische Fragen. Dabei ist es wichtig, Fachauskünfte einzuholen: die Standortbedingungen (Statik, Entwässerung, Windsog, Brandschutz, u.v.m.) müssen ermittelt werden; die Frage der Belastbarkeit ist vor allem bei Flachdächern zu klären.
 
Quelle: Umwelttipps des Amtes für Umwelt und Energie (Basel) - www.aue.bs.ch, Ökologisch leben - www.nabu.de
 

10.01.2011, vielfaltleben Administratoren