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Dorf im Ackerbaugebiet im Sommer 
Foto: BMLFUW

Internationaler Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft

Die biologische Vielfalt ist die Grundlage für unser tägliches Leben – gerade im Bereich der Agrobiodiversität ist das überdeutlich: In keinem anderen Bereich ist die globale gegenseitige Abhängigkeit größer. Gleichzeitig werden die Nahrungsmitteloptionen aufgrund des Verlustes der Agrobiodiversität immer weniger.

 Die Antwort der Staatengemeinschaft ist der Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft zum weltweiten Schutz und zur nachhaltigen Nutzung dieser Ressourcen. Österreich hat im Jahr der Biodiversität den Vorsitz dafür inne.
 
Die biologische Vielfalt ist die Grundlage für unser tägliches Leben – gerade im Bereich der Agrobiodiversität ist das überdeutlich: In keinem anderen Bereich ist die globale gegenseitige Abhängigkeit größer. Zum Beispiel stammt Mais ursprünglich aus Mexiko, die Kartoffel aus Lateinamerika, Weizen aus dem vorderen Orient und Reis aus Asien. Aus unserem Speiseplan sind sie nicht mehr wegzudenken, was nur durch den freien weltweiten Austausch und die Anpassung an die jeweiligen klimatischen Bedingungen möglich war.
 
Global gesehen decken jedoch nur mehr 4 Arten (Mais, Kartoffel, Reis, Weizen) 60% des Energiebedarfs. In den letzten 100 Jahren kam es laut den Statistiken der Welternährungsorganisationen (FAO) zu einem Verlust von 75% aller Kulturpflanzensorten weltweit. Das bedeutet einen drastischen Wegfall der Nahrungsmitteloptionen. Und das ist etwas, was wir uns heutzutage angesichts der erschreckenden Prognosen für die Ausbreitung des Hungers in der Welt und der Bedrohung des Klimawandels für eine nachhaltige Landwirtschaft nicht mehr leisten können.
 
Deswegen hat die Staatengemeinschaft den Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft zum weltweiten Schutz und zur nachhaltigen Nutzung dieser Ressourcen ins Leben gerufen. Der Vertrag erfasst von 64 Kulturpflanzenarten die genetischen Grundbausteine – sozusagen das Rohmaterial – um den Forterhalt, die Nutzung und Verbesserung dieser Arten durch Forschung und Züchtung zu ermöglichen. Dieses Material ist für Forschung und Züchtung für alle Vertragsparteien frei zugänglich. Dadurch kann eine uneingeschränkte Nutzung erfolgen.
 
Es ist bemerkenswert, dass dieses Material ursprünglich nicht unbedingt in Europa beheimatet war. Europa ist eine Region, die in der Landwirtschaft in erster Linie von Arten profitiert, die ihren Ursprung in den Biodiversitäts-reichen Ländern des Südens haben: Mais und die Kartoffel in Mittel- und Südamerika, Weizen aus Asien. Diese Länder verfügen aber häufig nicht über die finanziellen Mittel, um ihren Reichtum an biologischer und agrobiologischer Vielfalt zu bewahren.
 
Deshalb kümmert sich der Vertrag auch um diese Kehrseite der Medaille, damit alle Vertragsparteien unter gleichen Bedingungen vom System profitieren können. Wenn nämlich auf Grundlage der aus dem System des Vertrags entnommenen Bausteine eine neue Kulturpflanzenart erfolgreich kommerzialisiert werden kann, fließt ein Prozentteil der Erlöse zurück an einen multilateralen Fonds. Aus diesem Fonds werden Projekte finanziert, die vor allem Bauern und Bäuerinnen in Entwicklungsländern zu Gute kommen, damit sie die Vielfalt ihrer heimischen Pflanzen bewahren und nutzbar machen können.
 
Da diese Projekte aus dem Vertrag wirklich lokal realisiert werden, sieht man die positiven Auswirkungen daraus und kann hautnah die Ergebnisse des Systems sichtbar machen. Zum Beispiel das Fingerhirse-Projekt in Kenia:
 
Fingerhirse wird in Kenia vor allem von KleinbäuerInnen angebaut und wird u.a. für die Brotzubereitung verwendet. Sie ist aber in den Jahren durch den – kurzfristig produktiveren – Anbau von Mais fast gänzlich vom Speiseplan verdrängt worden. Fingerhirse ist eine wichtige Nahrungsmittelgrundlage für Afrika – aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes, der einfachen Zubereitungsart und der ausgezeichneten Eigenschaften zur Lagerung und Dürreresistenz. Mais im Gegensatz ist zwar weniger aufwändig anzubauen, benötigt aber einen nährstoffreicheren Boden als Fingerhirse und hat eine schlechtere Nährstoffzusammensetzung. Deswegen ist Ziel des Projektes durch die Charakterisierung von wildlebenden Fingerhirsesorten und deren Kreuzung mit kultivierten Sorten die Produktivität des Fingerhirseanbaus zu steigern.
Denn noch aus einem weiteren Grund hat Kenia großen Bedarf am Anbau der heimischen Fingerhirse, der den geographischen und klimatischen Bedingungen langfristig gewachsen ist: Im Westen Kenias, an der Grenze zu Uganda, ist die HIV/AIDS-Rate besonders hoch. Damit die HIV-Medikamente auch tatsächlich Wirkung zeigen, muss den Kranken nährstoffreiche Nahrung zur Verfügung gestellt werden – das kann mit Fingerhirse unterstützt werden.
 
Österreich hat während des Jahres der Biodiversität für diesen Vertrag den Vorsitz inne. Österreich ist mit Recht stolz auf seine regionale Vielfalt, auf seine regionalen Spezialitäten. Die klein-strukturierten Landwirtschaften sind Teil unseres Kulturguts; wir sind Spitzenreiter in der biologischen Landwirtschaft in Europa. Der Vertag ermöglicht Österreich, die Lebensgrundlage dieser kleinbäuerlichen, familiären Strukturen auf lange Sicht zu erhalten und Vorsorge für klimatische Veränderungen zu treffen.
 
Weitere Informationen finden Sie unter:
 
http://www.landnet.at/article/archive/5121  
http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzengenetische-ressourcen  
http://www.planttreaty.org 
 

07.05.2010, vielfaltleben Administratoren