Berlakovich: Schutzprojekt für den gefährdeten Wendehals
Presseinformation: Purbach, 1. April 2010.
Utl.: Nistkästen ersetzen fehlende Bruthöhlen im Leithagebirge. Der mittlerweile rare Vogel braucht Bruthöhlen in alten Obstbaumbeständen, die jedoch mehr und mehr verschwinden.
Die Weingartenlandschaft am westlichen Ufer des Neusiedler Sees bietet ideale Bedingungen für die Brutpflege und Nahrungssuche des Wendehals. Das milde Seeklima, kleine Brachflächen und Trockenrasen ergänzen die reichhaltig strukturierten Weingärten mit Kirsch- und Pfirsichbäumen. Speziell auf die natürlichen Baumhöhlen dieser alten Obstbaumbestände ist der Wendehals angewiesen. Weder er noch einige andere seltene Höhlenbrüter können sich Nisthöhlen selber schaffen. Die Auswahl an Brutmöglichkeiten in geeigneten Bäumen wird jedoch immer geringer. Die Anzahl der Altbäume ist in den letzten Jahren stark gesunken.
Schleichende Dezimierung der Bäume begrenzt das Vorkommen
Die Gründe warum viele der alten Obstbäume in den Weinbergen und Gärten fallen sind schnell erklärt. Beate Wendelin, Expertin von BirdLife: „Alte Obstbäume stehen sehr oft der maschinellen Bewirtschaftung im Wege und werden dann entfernt“. Ist der Traktor zu breit, muss der alte Obstbaum weichen. Auch Eingriffe wie Siedlungserweiterungen und Wegebauten führen zum Fällen von Altbäumen. So kommt es zu einer schleichenden Dezimierung der Altbaumbestände und damit auch der Lebensräume seltener Vogelarten.
Aufbau von Altbaumbestand
Als erste Sofort-Maßnahme werden daher Nisthilfen in Bereichen angebracht, wo die alten höhlenreichen Bäume bereits fehlen oder selten geworden sind. Aber auch zur Überbrückung der kritischen Wachstumsphase bis junge Bäume dick genug für Bruthöhlen sind. Denn längerfristig strebt Wendelin den Aufbau eines ausreichenden Altbaumbestandes an und die Wiederherstellung von Nahrungsflächen durch Entbuschung und Mahd.
Bürgermeister von Purbach hängt Nistkasten auf
Mit guten Bespiel voran geht der Bürgermeister von Purbach, Ing. Richard Hermann. Unter Fachkundiger Anleitung der BirdLife-Experten hängt er gleich selbst einen Nistkasten auf: „Ich bin begeistert wie positiv die Weingartenbesitzer die Nisthilfenmontage in den Weinbergen und Streuobstwiesen aufgenommen haben“. Besonders wichtig erscheint dem Bürgermeister auch der Aufbau des Altbaumbestandes: „Purbach ist nicht nur als Weinbauzentrum der Region bekannt. Abgesehen vom Weinbau, der hier seit 1272 urkundlich belegt ist, sind die Gemeinden Breitenbrunn, Winden, Jois und Donnerskirchen auch dem Namen Kirschblütenregion mit der vorzüglichen Leithaberger Edelkirsche verpflichtet“, so Ing. Hermann überzeugend. Die Region „Leithaberger Edelkirsche“ hat erst Anfang März den 1. Preis beim Wettbewerb „GenussZiele 2010″ der GENUSS REGION ÖSTERREICH eingeheimst.
Exkursionen zum Hotspot Artenvielfalt
Der Wendehals ist nur ein Beispiel für die eindrucksvolle Artenvielfalt, wie sie hier am Leithagebirgsrand im Naturpark Neusiedler See noch zu finden ist. Auch andere gefährdete Vogelarten wie Heidelerche, Schwarzkehlchen und Neuntöter fühlen sich hier ebenso gut aufgehoben wie Smaragdeidechse oder das Wiener Nachtpfauenauge. Im Rahmen des Projektes finden auch geführte Rundgänge statt, bei denen diese stark gefährdeten Vogelarten beobachtet werden können.
Die Kampagne vielfaltleben, die das Lebensministerium gemeinsam mit den Projektpartnern NATURSCHUTZBUND, WWF und BirdLife durchführt, hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten Österreichs im Jahr der Artenvielfalt 2010 entscheidend zu verbessern.
Rückfragehinweis:
Mag. Bettina Klöpzig, Pressesprecherin, BirdLife Österreich
Mobil: +43 69914034470
E-Mail: bettina.kloepzig@birdlife.at
www.birdlife.at
29.04.2010, vielfaltleben Administratoren




