Ich tu etwas! - Lassen Sie Kröten nicht abstürzen
Was kann jede Einzelne und jeder Einzelne von uns tun, um die Biologische Vielfalt zu fördern? An dieser Stelle finden Sie praktische Tipps, die Sie im Alltag leicht umsetzen können. Kleine Entscheidungen haben in Summe oft große Auswirkungen auf unseren Lebensraum und alle Tier- und Pflanzenarten. Helfen Sie mit!
Amphibienschutz im SiedlungsraumVielfach unbemerkt leben zahlreiche Amphibien (Lurche) auch im Siedlungsraum, einer Umgebung mit vielen Gefahren für diese bedrohte und daher streng geschützte Tierklasse.
Selbst wenn es momentan noch gar nicht danach aussieht – der nächste Frühling kommt bestimmt! Und damit beginnen auch die Amphibienwanderungen. Frösche, Kröten, Molche und Salamander wechseln mehrmals im Jahr ihren Lebensraum; sie bewegen sich dabei zwischen Winterquartier, Laichgewässern und Nahrungsplätzen! Die Sicherung dieser Biotope und der Schutz wandernder Lurche an Straßen sind überlebenswichtige Maßnahme (mehr dazu unter www.noe.naturschutzbund.at).
Doch abgesehen vom Straßenverkehr und damit verbundenen Fragmentierungen der Lebensräume gibt es noch jede Menge weiterer Gefährdungsursachen für Amphibien. Einige sind folgend näher beschrieben.
Keller und Lichtschächte
Gekippte Kellerfenster und Lichtschächte können eine Falle für Amphibien darstellen. Einmal unten gelandet, sind sie dem sicheren Tod geweiht. Feinmaschige Schutzgitter oder Fliegennetze vor der Öffnung können diese Gefahr entschärfen.
Kellereingänge bergen das gleiche Risiko, „abgestürzte“ Tiere können nicht entkommen. Amphibienleitern am Schachtrand oder kleine Rampen ermöglichen die Flucht aus dem Gefängnis. Als Ausstiegshilfe kann ein schmales Holzbrett dienen, das mit einem grobmaschigen Draht oder kleinen Querleisten versehen wird, oder auch eine Lochblechleiter. Die Steigung einer Leiter sollte 60° nicht übersteigen.
Schwimmbäder
Auch steilwandige Schwimmbäder sind für Frosch & Co. gefährlich. Chlor im Wasser schadet ihnen, außerdem können sich die Tiere kaum aus den Becken befreien.
Für einen Amphibienfreund empfiehlt sich hier die Errichtung eines Schwimmteiches. Ansonsten sollte der Swimmingpool zumindest eine hohe Randstufe haben, den die Amphibien nicht überklettern können; noch besser ist eine bündige Nachtabdeckung.
Goldfische
Ausgesetzte Goldfische sind als Allesfresser ein großes Problem in heimischen Gewässern! Sie tragen zur Bedrohung und Zerstörung der lokalen Amphibien- und generell Artenvielfalt bei. Das Aussetzen ist zudem verboten!
Zäune oder Mauern
Vor allem neu gebaute Zäune oder Mauern können für Amphibien große Hindernisse darstellen; Abhilfe kann durch ein Schlupfloch geschaffen werden.
Straßengullys
Eine weitere Gefahr stellen Abwasserkanäle dar, deren Abdeckungen zur Aufnahme des Niederschlagwassers breite Schlitze haben. Hohe und senkrechte Bordsteine halten die Tiere länger auf der Straße und leiten sie dann oft unmittelbar in die Gullys hinein.
Als Lösung zumindest für ausgewachsene Amphibien empfiehlt sich hier einerseits eine Reduzierung der Spaltbreite von Gullyrosten (mit entsprechender Kontrolle des Abflusses), andererseits eine Abschrägung der Bordsteinkanten. Auch Ausstiegsrohre in Entwässerungsschächten bieten eine Möglichkeit zur Reduzierung der Verluste. Amphibien-Rettungsmaßnahmen in Kanalisation und Kläranlagen sollten ein Thema für Gemeinden, Straßen- und Tiefbauämter sein.
Die Beispiele verdeutlichen, dass besonders bei Bebauungsplänen oder Sanierungsmaßnahmen im Siedlungsraum, aber auch auf dem eigenen Grundstück Amphibienschutz mit relativ einfachen Mitteln umzusetzen ist (mehr Infos unter www.karch.ch).
Beim Verein AURING www.auring.at in Hohenau an der March können SchülerInnen im Rahmen von Amphibien-Projekten kleine Ausstiegshilfen bauen, die sie dann zuhause, den räumlichen Gegebenheiten angepasst, einsetzen. Dazu müssen sie sich zunächst mit den Gefahrenquellen vor der Haustür auseinander setzen, sprich die Augen für Naturschutzmaßnahmen öffnen – eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Umweltbildung.
(Text von Ute Nüsken)
Eine facherübergreifende Rettungsaktion
Der Vögeihof hat sich in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und dem NATURSCHUTZBUND Österreich bereits erfolgreich engagiert. SchülerInnen der VS Neu-Guntramsdorf, Bezirk Mödling, lernten die Problematik im Biologieunterricht kennen. Dann wurden im Werkunterricht Amphibienleitern gebastelt, die die SchülerInnen bei einer gemeinsamen Wanderung an Weiderosten anbrachten. Dadurch ließ sich einfach und schnell der qualvolle Tod unzähliger Kröten und Frösche verhindern.
Mehr dazu unter diesem Link: http://www.naturbegreifen.at/file/amphibienrettungsaktion.pdf
29.04.2010, vielfaltleben Redakteur




