Schutz & Forschung
Als größtes Schutzgebiet der Alpen mit einer außerordentlichen Vielfalt an natur- und kulturlandschaftlichen Lebensräumen trägt der Nationalpark Hohe Tauern eine besondere Verantwortung. Er strahlt auf vielfältige Weise in die umgebende Region und weit darüber hinaus.
Trotz politischer Grenzen sieht sich der Nationalpark Hohe Tauern in vielen Bereichen als EIN Großschutzgebiet mit koordinierter Gesamtentwicklung.Der Nationalpark Hohe Tauern leistet seinen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt sowie deren weitere Entfaltung und gibt diesem Ziel Vorrang gegenüber allen anderen Nutzungszielen. In der Nationalparkregion und darüber hinaus übt er diesbezügliche Bewusstseinsbildung.
Biodiversitätsdatenbank
Hierzu wird seit einigen Jahren der Bestand an Flora und Fauna des gesamten Nationalparks Hohe Tauern in einer Biodiversitätsdatenbank erfasst. Biologische Verbreitungsdaten dieses großräumigen, international bedeutenden Alpenschutzgebietes werden in ein speziell zu diesem Zweck entwickeltes Datenbank Programm aufgenommen. Schwerpunkte sind die Verbreitung naturschutzrelevanter Arten (Rote Liste, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und ihre aktuelle Gefährdungssituation (Vergleich früherer/aktueller Daten). Die Artenvielfalt in diesem Gebiet wird zum ersten Mal ausführlich dokumentiert werden können. Derzeit sind über 200.000 Datensätze in der Datenbank erfasst.
Forschungskonzept 2020 des Nationalparks Hohe Tauern
Das Forschungskonzept 2020 identifiziert Schwerpunktbereiche, die einerseits dem grundsätzlichen Kenntnisgewinn sowie andererseits dem Management dienen sollen.
Im Bereich des grundsätzlichen Kenntnisgewinns hat der Nationalpark Hohe Tauern die Zielvorstellung, neben der Inventarisierung seiner relevanten Schutzgüter (z. B. Arten, Prozesse), auch Systemzusammenhänge (z. B. vergleichende Studien entlang von Schutz- und Nutzungsgradienten) und Wirkungen (Einfluss des Menschen, Erhaltungszustand) zu erforschen. Bereits umgesetzt sind zahlreiche Projekte zur Erfassung der Biodiversität (z. B. Schmetterlinge, Heuschrecken, Vögel, Fledermäuse, Flechten) bzw. der Naturausstattung auf Habitat- und Landschaftsebene (z. B. Luftbildinterpretation, Kartierung der Moore, Biotope, Almen, Gewässer). Die Erforschung von Systemzusammenhängen, Prozessen und Wechselwirkungen findet derzeit jedoch nur anlassbezogen, nicht jedoch systematisch statt
(z. B. naturschutzrelevante Fragestellungen betreffend das Rotsternige Blaukehlchen, Permafrostkartierung).
Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Kenntnisgewinn steht auch die Anforderung, ein ausgeklügeltes System von langfristigen Messnetzen und Beobachtungsprogrammen zu installieren. Prognosen sollen auf Basis solcher gesicherten Daten ermöglicht werden. Nur mit Hilfe eines umfassenden Monitoring-Konzeptes können Veränderungen und deren Folgen erkannt und interpretiert werden.
Bereits umgesetzt sind Monitoring-Programme im Bereich des Artenschutzes, z. B. für Bartgeier und Steinadler. Darüber hinaus läuft derzeit eine Ausschreibung für ein Gewässer-Monitoring, das den Lebensraum und die Lebensgemeinschaften im Blickfeld hat. Im Bereich des Managements hat der Nationalpark Hohe Tauern die Zielvorstellung, praxisorientiertes Handlungswissen gestützt auf wissenschaftliche Methoden und Erkenntnissen zu erarbeiten. Maßnahmen zur Erfolgs- und Effizienzkontrolle, die der Qualitätssicherung dienen sollen, stehen hier im Vordergrund. Bereits umgesetzt sind z. B. die Wildbiologische Begleitforschung, Telemetrie des Steinwildes und die Wiederansiedlung der "Urforelle".
10.08.2009, vielfaltleben Administratoren


