Bedrohter Wachtelkönig braucht dringend Hilfe
BirdLife startet Österreich weiten Aktionsplan
Wiesenvögel wie Wachtelkönig, Braunkehlchen oder Wiesenpieper sind in Österreich seit Jahren stark gefährdet und auf der Roten Liste. Besonders dramatisch ist die Lage beim Wachtelkönig.
Wien/Niederösterreich, am 30. Juli 2009. – Es schaut nicht gut aus für den Wachtelkönig im südlichen Machland. „Heuer ist der Langstreckenzieher, der den Winter in Afrika verbringt, gar nicht mehr aufgetaucht. Das ist ein herber Rückschlag, trotz aller Bemühungen und vereinzelter Schutzprogramme vergangener Jahre“, schlägt BirdLife-Projektleiter Gerald Pfiffinger Alarm.
Lebensraum verschwindet
Der in Österreich ehemals weit verbreitete Wiesenbrüter ist heute vom Aussterben bedroht. Wichtige Brutgebiete sind vor allem noch die March-Thaya-Auen, der Wienerwald, der Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel, das mittlere Ennstal in der Steiermark, Teile des Wald- und Mühlviertels sowie das Vorarlberger Rheintal. Die Brutpaare schwanken zwischen 150 bis maximal 400 für ganz Österreich.
Nachtrufer, versteckt in hohen Wiesen
Außergewöhnlich für diesen Wiesenbrüter ist die Partnersuche. Das Wachtelkönig-Männchen sitzt versteckt im hohen Gras und lockt – ungewöhnlich in der Vogelwelt – mitten in der Nacht mit seinen typischen „crex-crex“-Rufen Weibchen an. Der Grund: Die meisten Zugvögel fliegen in der Nacht, so auch die Wachtelkönig-Weibchen.
Der Wachtelkönig brütet in feuchten Wiesen mit hohem Gras. „Heute sind die meisten Wiesen schon gemäht, wenn der Langstreckenzieher aus Afrika zurückkehrt. Der Wachtelkönig findet also nicht einmal mehr den Lebensraum, um überhaupt mit der Brut zu beginnen“, so Pfiffinger. Ursachen für den dramatischen Rückgang sind intensive Bewirtschaftung mit früher und flächendeckender Mahd, die Entwässerung von Feuchtwiesen sowie die Verschlechterung des Nahrungsangebotes für Brut- und Jungvögel durch Monokulturen und Düngung.
Aktionsplan gegen Artenverlust
„Wir müssen die einzelnen Schutzprojekte der vergangenen Jahre wieder aufleben lassen, ausweiten und vor allem miteinander verknüpfen“, sagt BirdLife-Projektleiter Pfiffinger. Basis dafür ist ein Workshop im Herbst, an dem Wissenschafter, Naturschützer und Behörden teilnehmen werden.
Finanziert wird die Initiative vom Lebensministerium im Rahmen der vielfaltleben-Kampagne. Minister Niki Berlakovich: „Die alarmierende Entwicklung im südlichen Machland und der dramatische Rückgang vieler Wiesenvögel zeigt, wie wichtig Maßnahmen gegen einen drohenden Artenverlust sind. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und setzen hier mit der vielfaltleben-Kampagne ein wichtiges Zeichen.“
Basis Vertragsnaturschutz
BirdLife erarbeitet bis 2010 konkrete Maßnahmen und Richtlinien. Ab 2011 sollen die Schutzprogramme in ganz Österreich umgesetzt werden. Vertragsnaturschutz sei dabei wesentlich: „Wir brauchen Pflegeverträge mit den Landwirten vor Ort, müssen Aufklärungsarbeit leisten und gemeinsam Flächen für die Brutgebiete definieren“, sagt BirdLife-Projektleiter Pfiffinger.
vielfaltleben
Der „Nationale Aktionsplan“ für den Wachtelkönig ist Teil der vieltfaltleben-Kampagne, die das Lebensministeriums gemeinsam mit den Projektpartnern NATURSCHUTZBUND, WWF und BirdLife Österreich umsetzt. Ziel ist, die Lebenssituation zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten in Österreich bis zum Jahr 2010 entscheidend zu verbessern.
Rückfragehinweis:
Angela Balder, Birdlife Österreich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43 (0)1 523 46 51 – 80
angela.balder@birdlife.at
Downloads
PA Aktionsplan Wachtelkönig 30.7.2009 (PDF 109,85 kB )
03.09.2009, vielfaltleben Administratoren


