Ich tu etwas! - Stille Wasser sind nicht tief
Was kann jede Einzelne und jeder Einzelne von uns tun, um die Biologische Vielfalt zu fördern? An dieser Stelle finden Sie praktische Tipps, die Sie im Alltag leicht umsetzen können. Kleine Entscheidungen haben in Summe oft große Auswirkungen auf unseren Lebensraum und alle Tier- und Pflanzenarten. Helfen Sie mit!
Kennen Sie den Unterschied zwischen Weiher und Teich? Nein?Macht nichts, die Natur macht auch keinen Unterschied. Beide sind für Tiere und Pflanzen und die so wichtige Vernetzung von Lebensräumen gerade in Siedlungsgebieten enorm wichtig. Deshalb können Sie z.B. mit der Anlage eines kleinen Gartenteiches der Natur einen großen Dienst erweisen - wenn er richtig gemacht ist.
Per Definition ist ein Weiher ein natürliches, stehendes Gewässer von geringer Tiefe, dessen Boden in seiner ganzen Ausdehnung auch von höheren Pflanzen besiedelt ist. Im Gegensatz zum Teich, der künstlich angelegt ist, ist das Wasser des Weihers nicht ablassbar. Pfützen und Tümpel wiederum sind natürlich entstandene, flache Kleingewässer, die in der Regel austrocknen. Sie entstehen meist in Senken, wo der Boden natürlicherweise wasserundurchlässig oder verdichtet ist. Ein wesentliches Merkmal haben kleine Stillgewässer gemeinsam: die geringe Wassertiefe, durch die das Sonnenlicht bis auf den Grund dringt. Gerade ein Weiher weckt in den meisten Menschen die Vorstellung von unberührter Natur. Kaum ein anderes Gewässer bietet eine so große Artenvielfalt auf engem Raum – nicht nur im Wasser selbst, sondern auch an den ökologisch hochinteressanten Übergangszonen vom Land ins Wasser. Leider sind aber unzählige Tümpel und Teiche in den letzten Jahrzehnten zerstört worden – durch Zuschüttung, Einleitung von Abwässern, Missbrauch als Mülldeponie, intensive Fischereinutzung, etc.
Mit ihrer Vernichtung gehen Laichgewässer für Amphibien und Libellen, Brutgebiete für Schilfbrüter – Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere verloren. Kein Wunder also, dass die Bewohner kleiner Stillgewässer auf der Roten Liste für gefährdete Arten ganz oben stehen...
Damit stehende Gewässer von Amphibien und Insekten erfolgreich als Laichgewässer genutzt werden können sollte auf Fischbesatz verzichtet werden! Gerade die beliebten Goldfische dezimieren sehr schnell Eier, Larven und Kaulquappen und beschleunigen so das Verschwinden bedrohter Arten.
Maßnahmen und Projektideen
Feuchtbiotope anlegen. Im Idealfall sollten verschiedene, größere und kleinere, tiefere und flachere Stillgewässer in einem Verbund angelegt werden, um Tieren Rast- und Nahrungsstationen zu schaffen und damit eine Wanderung zu ermöglichen. Damit Amphibien sie als Laichgewässer nutzen können, sollten sie zwischen Mai und August Wasser führen. Tiefere Stellen von mehr als 70 Zentimeter Tiefe gewähren vielen Amphibien ein sicheres Überwintern, da Gewässer dieser Tiefe selten bis zum Grund durchfrieren. Langgezogene und vielgestaltige Uferlinien verlängern die wertvolle Kontaktzone Land-Wasser. Nach Möglichkeit sollten Uferbereiche nicht bepflanzt, sondern eine sich natürlich ansiedelnde Pflanzendecke zugelassen werden.
Löschteiche dienten früher als Löschwasserreserve. Angelegt wurden sie in den Orten meist zentral, damit man das Wasser relativ schnell zu jedem Punkt bringen konnte – so wurden sie im Laufe der Zeit zu einem typischen Teil des Ortsbildes. Mit der zentralen Wasserversorgung verschwanden sie nach und nach. Die Revitalisierung noch bestehender, vielleicht auch schon ausgetrockneter Feuerlöschteiche könnte neue Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten schaffen.
Die Errichtung von Hochwasserrückhaltebecken als Teil des passiven Hochwasserschutzes ist in der Regel mit Eingriffen und Zerstörungen des vorhandenen Ökosystems verbunden. Daher ist hier eine ökologische Baubegleitung unbedingt notwendig. In den neu gebildeten Stauräumen könnten z.B. Weiher, Feuchtwiesen und auwaldartige Bereiche angelegt werden.
Bei Weihern, die als Erholungsgebiet genutzt werden, müssen besonders sensible Bereiche geschützt werden. Erholung Suchende mit ihren vielfältigen Freizeitaktivitäten richten zum Teil nicht wieder gutzumachende Schäden gerade in den sensiblen Uferzonen an.
Bewusstseinsbildung. Ob beim „Tümpeln“ oder auf Exkursionen: Hier lernen Kinder auf spielerische Art das Leben in und an wassergeprägten Lebensräumen kennen und entwickeln so schon früh ein Verständnis für notwendige Schutzmaßnahmen. Auch die Gestaltung von „Schul-Biotopen“ ist eine gute Möglichkeit, Kindern die Bedeutung von Wasserlebensräumen anschaulich näher zu bringen. Bürger sollten zum Anlegen von Gartenteichen ermutigt werden: Im Siedlungsbereich kann eine Vielzahl kleiner, naturnaher Gewässer als Ersatzbiotop für zerstörte Lebensräume dienen. Wenn wandernde Arten genügend „Trittsteine“ haben, können sie bis in die Städte hinein erfolgreich siedeln.
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15.07.2009, vielfaltleben Administratoren


