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Österreich – Artenreich?

Österreich gehört auf Grund seiner Topografie zu den landschaftlich vielfältigsten Ländern Europas. Die abwechslungsreichen Lebensräume sind der Grund für eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Arten.

2.950 Farn- und Blütenpflanzen, 242 Brutvogelarten, 101 Säugetierarten, 84 Fisch- und Neunaugenarten, 14 Reptilienarten, 20 Amphibienarten und ca. 25.000 Insektenarten. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vor allem in den letzten 50 Jahren zu dramatischen Verlusten an biologischer Vielfalt gekommen ist:

Lebensräume verschwinden. Der Bau von Wasserkraftwerken, die Regulierung von Fließgewässern, geänderte land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen, der Klimawandel, Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen, Zersiedelung der Landschaft – 12-15 ha werden täglich verbraucht – der Verlust dynamischer Prozesse in Ökosystemen sowie latent zunehmende Beunruhigung selbst entlegener Landschaften (Tourenskilauf, Canyoning , Rafting, Paragliding usw.), hoher Schad- und Nährstoffeintrag (zu erkennen unter anderem am Rückgang vieler Flechtenarten), aber auch von Hormone und hormonähnliche Substanzen, setzen den Arten und Naturräumen im Allgemeinen und den naturschutzfachlich wertvollen Gebieten im Besonderen massiv zu.
Landbewirtschaftung. Die meisten Veränderungen in den letzten 50 Jahren haben in der Agrarlandschaft stattgefunden. Änderungen der Landnutzungsformen und damit verbundene Verluste bestimmter Lebensräume, wie Trocken- und Magerrasen, Streuwiesen, Auwälder, Moore oder Blockfluren zählen zu den Hauptursachen des Artenverlustes. Als zweitgrößte Bedrohung gilt die Aufgabe traditioneller landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsformen sowie die übermäßige Nutzung wild lebender Tiere und Pflanzen.
Gebietsfremde Arten. Ein weiterer Grund für den Verlust der Artenvielfalt ist das Einbringen bzw. Eindringen gebietsfremder Tiere und Pflanzen, die ursprüngliche Arten im schlimmsten Fall völlig verdrängen können. Auch die Klimaveränderung hat und wird zukünftig noch stärker das Verschwinden von Arten beeinflussen. Die Klimaveränderung zeichnet sich immer deutlicher als Ursache oder Beschleuniger für das Verschwinden bestimmter Arten ab und kann als Hauptproblem des Artensterbens angesehen werden.
Ernüchternde Bilanz. 61 % der Farn- und Blütenpflanzen, 60 % der Flechtenarten, 59,6 % der Wirbeltiere (davon 68 % der heimischen Fischarten, 100 % der Reptilien, 100 % der Amphibien, 52% der Vögel, 52% der Säugetiere) und gut ein Drittel der heimischen Großschmetterlinge sind in irgendeiner Form gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Dabei ist die Mehrzahl der in Österreich vorkommenden Organismen – Flechten, Pilze, Algen, Insekten etc. – noch gar nicht erfasst. Ähnlich zeigt sich das Bild der Lebensräume: Von den Waldbiotoptypen stehen 57 % auf der Roten Liste, 83% bei den Mooren, Sümpfen und Quellfluren und sogar 90% bei den Grünlandbiotopen.
Nationale Maßnahmen. Schutzgebietsausweisungen, Vertragsnaturschutz, NationalerUmweltPlan, das Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft ÖPUL, das neue, im Rahmen des ELER vorgesehene Waldumweltprogramm der laufenden Förderperiode, die Neuorientierung der Agrarpolitik sowie die Installation des Walddialoges und das daraus resultierende Österreichische Waldprogramm konnten Erfolge im Artenschutz erzielen. Trotzdem ist es bisher nicht gelungen, den weiteren Rückgang von Arten und Lebensräumen in Österreich zu stoppen
Gemeinsam für die Artenvielfalt. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, den Verlust der Biodiversität  sowohl auf regionaler Ebene als auch auf nationaler Ebene zu stoppen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Kampagne vielfaltleben, ein noch nie da gewesenes, breit angelegtes Programm zur Bewahrung der Biologischen Vielfalt in Österreich von Lebensministerium, NATURSCHUTZBUND und vielen weiteren Partnern.

08.11.2011, vielfaltleben Administratoren