Schwerpunktregion March-Thaya Auen
Die Flusslandschaft der March-Thaya Auen zählt zusammen mit den angrenzenden Trockenlandschaften des Marchfeldes und des Weinviertels zu den bedeutendsten Naturräumen und zu den absoluten Hotspots der Artenvielfalt in Mitteleuropa.
Österreich, die Slowakei und Tschechien teilen sich die einzigartige Flusslandschaft der March-Thaya Auen, die als „Grünes Herz“ zwischen den Ballungsräumen Brno, Wien und Bratislava liegt. Die Flusslandschaft zählt zusammen mit den angrenzenden Trockenlandschaften des Marchfeldes und des Weinviertels zu den absoluten Hot Spots der Artenvielfalt in Mitteleuropa: Urtümliche Auwälder, bunte Wiesen und eine Vielzahl von Arten, die nur hier leben, prägen diesen einzigartigen Naturraum. Seeadler, Weißstorch, Urzeitkrebse und March-Esche sind nur einige der Arten, deren Überleben in Österreich vom effektiven Schutz dieser Region abhängt. Bei den Urzeitkrebsen kommen 10 der 15 heimischen Arten überhaupt nur hier vor, und auch die größte, auf Bäumen brütende Weißstorch-Kolonie Mitteleuropas ist in den March-Auen zu finden. Die enge Verflechtung von traditionsreicher Kulturlandschaft mit naturnahen, fast wildnisähnlichen Bereichen trägt wesentlich zur Vielfalt des Raumes bei.Die Dynamik der Tieflandflüsse March und Thaya hat die große Artenvielfalt gefördert, durch die Lebensräume wie Auwälder, Sandbänke, Uferanbrüche oder Augewässer entstanden sind. Die March-Thaya Auen gehören mit den Donau-Auen zu den größten, weitgehend intakten Flusslandschaften unseres Landes. Sie sind für viele Vogelarten ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Neusiedler See einerseits und den Teichlandschaften Südböhmens und Südmährens andererseits. Historisch waren die March-Thaya Auen Teil eines großen, zusammenhängenden Feuchtgebiets-Netzwerkes, das sich von Westungarn bis nach Südmähren erstreckt hat. Dem Charakter pannonischer Tieflandflüsse entsprechend, treffen im March-Thaya Gebiet die gegensätzlichsten Lebensräume aufeinander: Auwälder und Salzsteppen, Feuchtwiesen und Sandrasen. Aufgrund intensiver wasserbaulicher Eingriffe, die in den letzten 120 Jahren erfolgt sind, hat eine schleichende ökologische Verschlechterung der Flusslandschaft eingesetzt, die bis heute anhält.. Durch die Verkürzung des Flusslaufes, die Festlegung der Ufer und die Rückhaltung von Sedimenten hat sich die Flusssohle der March in den letzten 50 Jahren um bis zu 2 m abgesenkt und die Grundwasserstände sind um bis zu 1,2 m gesunken. Viele gefährdete Arten, wie die Asiatische Keiljungfer, die auch in der vielfaltleben Kampagne als Leitart dient, brauchen jedoch die durch Begradigungen und Verbauungen verloren gegangene Dynamik des Flusses und seiner Seitenarme zum Überleben.
Zu Zeiten des Eisernen Vorhanges ist in den March Thaya-Auen ein einmaliger Rückzugsraum für Europas Natur entstanden. Diese Funktion auch unter den heutigen Umständen zu bewahren und positiv weiter zu entwickeln, ist eine große Herausforderung für die nächsten Jahre. Viel ist in der Vergangenheit schon geschehen – so wurden die Auen zum Ramsar-Gebiet wie auch zum Natura 2000-Gebiet erklärt, was vielen Naturschätzen einen grundsätzlichen Schutzstatus sichert. Dennoch bleibt noch sehr viel zu tun, denn die Begehrlichkeiten auf Grund und Boden im Zuge der Öffnung nach Osten üben massiven Druck aus.
12.02.2009, vielfaltleben Administratoren



