Der Hundsfisch (Umbra krameri)
Der Hundsfisch ist ein Spezialst, der auch in sauerstoffarmen Gewässern, wie in abgetrennten Altwässern, in Gräben, Seihwassertümpeln und Sumpfgebieten am landseitigen Rand der Auen, leben kann, wo weniger angepasste Fischarten nicht dauerhaft vorkommen.
Der Hundsfisch zählt zu den kleinwüchsigen Fischarten und erreicht etwa eine Körperlänge von 5-9 cm. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst das Donau-Tiefland von Wien bis zum Donaudelta, sowie die Unterläufe von Prut und Dnjestr.Vorkommen des Hundsfisches befinden sich heute in der Slowakei, in Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien und der Ukraine. Für Österreich liegen frühere Nachweise gesichert nur aus dem Neusiedler See-Gebiet und aus der Leitha-Niederung vor, der Hundsfisch dürfte aber ursprünglich in weiten Teilen des pannonischen Tieflands Ostösterreichs verbreitet gewesen sein. Sein Lebensraum sind Kleingewässer mit starken Wasserstandsschwankungen, üppigem Wasser- und Sumpfpflanzenbewuchs und reichlich Totholz. Der Hundsfisch ist gegenüber zeitweise auftretendem Sauerstoffmangel unempfindlich, verträgt aber nicht die Anwesenheit von Raubfischen. Geeignete Hundsfischlebensräume waren früher vor allem in den flussfernen Teilen der Tiefland-Auwälder vorhanden, besonders in seit langem abgetrennten Altwässern, in Gräben, Seihwassertümpeln und Sumpfgebieten am landseitigen Rand der Auen, die von weniger spezialisierten Fischarten nicht dauerhaft besiedelt werden können. Darüber hinaus kam der Hundsfisch auch in der Verlandungszone des Neusiedler Sees und in ausgedehnten Niedermoorgebieten, wie dem Hanság oder der Feuchten Ebene vor. Weil die flussfernen Kleingewässer von landwirtschaftlichen Entwässerungsmaßnahmen, von Flussregulierungen, Grundwasserstandsabsenkungen und absichtlicher Verfüllung am stärksten betroffen waren, kam es im Lauf des 20. Jahrhunderts zu einem unbemerkten, aber raschen Niedergang der Hundsfischbestände. Am Neusiedler See spielte auch die Einführung des räuberischen Aals eine wichtige Rolle beim Verschwinden des Hundsfischs.
Von 1975 bis 1992 galt der Hundsfisch in Österreich als ausgestorben.
Nachdem im Jahr 1992 durch Zufall im Fadenbach bei Orth/Donau eine isolierte Population wiederentdeckt worden ist, begann eine umfassende Suche nach der Art. Gefunden wurde der Hundsfisch allerdings nur an einer zweiten Stelle, im Oberlauf des Jesuitenbaches in der Gemeinde Moosbrunn im südlichen Wiener Becken. Seither hat es zwei Schutzprojekte für die Art gegeben: im Nationalpark Donau-Auen wurden lebensraumverbessernde Maßnahmen am Fadenbach gesetzt und im burgenländischen Hanság wurde in fischfreien Gräben ein Wiederansiedlungsprojekt mit Hundsfischen aus Gefangenschafts-Nachzucht gestartet. Da weite Teile des ursprünglichen Hundsfisch-Verbreitungsgebiets nach wie vor unbesiedelt sind, und lebensraumverbessernde Maßnahmen in der Feuchten Ebene bislang fehlen, ist die Art nach wie vor akut vom Aussterben bedroht.
23.01.2009, vielfaltleben Administratoren


